Premiere für die himmlischen Heerscharen

Posaunen ertönen, die Orgel erklingt, der Chor singt - In einem Festgottesdienst wird Pfarrer Olaf Schäper das Engelsorchester einweihen

 

Braunschweiger Zeitung, Wolfenbuettel: 8. September 2012, Wolfenbüttel Lokales, Seite L73

 

Von Stephanie Memmert

 

HORNBURG. 250 Jahre standen sie still. Jetzt bewegen sie sich wieder. Bodo Meyer ist der Mann, der die Engelsfiguren auf der Orgel der Hornburger Marienkirche in Gang gesetzt hat.

 

In der Mitte der Trommler. Konzentriert blickt er drein. Links, rechts, links, rechts, bewegt er seine Arme, schlägt mit den Schlägeln auf seine goldene Trommel - in luftiger Höhe, ganz oben auf dem Orgelprospekt.

 

Schon setzt der erste Trompeter ein. Von den Plätzen im Kirchenschiff aus gesehen steht er links außen. Langsam führt er seine Trompete zum Mund. Ihm folgt der zweite Trompeter rechts außen.

 

Einsatz für Trompeter |  Geiger und Trommler

 

Damit nicht genug: Zwischen den Trompetern und dem Trommler setzen nacheinander die beiden Geiger ein. Das Engelsorchester musiziert.

 

"Es symbolisiert die himmlischen Heerscharen", sagt Pfarrer Olaf Schäper. Das Lukasevangelium berichtet davon, dass bei der Geburt Jesu Christi ein Engel zu den Hirten trat und sprach: "Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott." Schäper: "Und genau das ist ihre einzige Aufgabe - Gott zu loben. Ein Stück des Himmels auf Erden wird darin sichtbar."

Angefertigt hat den barocken Orgelprospekt 1707 der Hornburger Tischlermeister Georg Froböse. Den Engelsfiguren aber war es nicht allzu lange vergönnt, sich bewegen zu dürfen. Inspektor Johann Jacob Lentz (1706 bis 1788) ließ wohl um 1760 die Lederriemen, mit denen die Arme der Engel bewegt wurden, durchtrennen.

 

Er soll es leid gewesen sein, dass die Gemeinde immer die Augen von ihm abwandte und sich, sobald die Orgel spielte, umwandte, um den Engelsfiguren beim Musizieren zuzuschauen. Ein Gemälde des Inspektors hängt im Altarraum an der Wand. Es zeigt das Porträt eines furchtbar grimmig dreinschauenden Mannes, der auf den Altar blickt und der Gemeinde den Rücken zuwendet. "Es konterkariert geradezu die Ausrichtung des Kirchenschiffes", sagt der Pfarrer.

 

Ganz anders dagegen das Bild des ersten evangelischen Pfarrers Andreas Corvinus daneben. Er schaut die Gemeinde an und ist mit seiner Familie dargestellt. Das Bild von Heinrich Magius gegenüber zeigt einen frommen, knieenden Mann. Er führte 1553 die Reformation in Hornburg ein.

 

Alle Reparaturarbeiten ehrenamtlich geleistet

 

Es war kurz vor Weihnachten 2009, als der Pfarrer und mit ihm einige Hornburger auf die Idee kamen, das Engelsorchester reparieren zu lassen. Eifrig sammelten sie Geld. Es kamen 3500 Euro zusammen. Das hätte nie gereicht, wären da nicht die Hornburger Bodo Meyer und sein Sohn Dennis gewesen, die sich bereiterklärten, die Engelsfiguren und ihre Mechanik ehrenamtlich zu reparieren.

 

Der Elektromaschinenbauer, der beruflich mit Aufzügen in Hochhäusern zu tun hat, machte sich an die Arbeit. "Jeder Engelsarm wird mit Nylonbändern über Rollen von einem Motor bewegt", erzählt er. Aus Denkmalschutzgründen durften die Motoren nicht an der Orgel befestigt werden. "Außerdem ist die Orgel ein derartiger Resonanzkasten, dass die Motoren selbst beim Spiel der Orgel für die Gemeinde zu hören gewesen wären", erzählt Bodo Meyer. Aus diesen Gründen haben die Motoren ihren Platz im Glockenturm gefunden.

 

Über ein Gerät, das auf der Empore an der Orgel liegt, schaltet Organistin Birgit Meyer nun die Motoren ein und aus und setzt somit die Engel in Bewegung. Premiere ist am Sonntag, 16. September. In einem Festgottesdienst, der um 15 Uhr in der Marienkirche beginnt, werden die musizierenden Engelsfiguren eingeweiht. Es musizieren der Kirchenchor und der Posaunenchor. Mit dabei ist auch die Kindergruppe KiKiLino. Anschließend gibt es Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus.

 

 

 

 

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