Werla vor dem Vergessen bewahrt

Bezirksarchäologe präsentiert jungsteinzeitliche Funde - Ausstellung zu Weihnachten in Wolfenbüttel geplant

 

Braunschweiger Zeitung, Wolfenbuettel: 1. September 2012, Wolfenbüttel Lokales, Seite L70


Von Stephan Hespos

 

WERLABURGDORF. Die Werla birgt noch manches Geheimnis. Nächste Woche startet deshalb auf dem Oker-Plateau bei Werlaburgdorf die nächste Ausgrabung: Forscher erhoffen sich weitere Aufschlüsse über die Besiedlung.

 

Sicher ist schon jetzt: Das etwa 16Hektar große Gelände war nicht nur im Mittelalter ein bedeutsamer Schauplatz der Geschichte. Schon in der Jungsteinzeit vor fünf bis sechs Jahrtausenden siedelten hier Menschen. Bezirksarchäologe Dr.Michael Geschwinde erinnerte am Freitag an die Sensationsfunde bei einer Lehrgrabung der TU Braunschweig vor rund einem Jahr.

 

Damals hatten von Experten angeleitete Studenten nicht nur ein mittlerweile vollständig rekonstruiertes 24-teiliges Trinkservice aus dem vierten Jahrtausend vor Christus entdeckt. Sie gruben auch die sterblichen Überreste einer Frau, eines Kindes und einer weiteren Bestattung aus. Jene werden aktuell von Fachleuten untersucht.

Geschwinde kündigte an: "Wir wollen die ?Frau von Werlaburgdorf? zu Weihnachten in einer Ausstellung im Landesmuseum Wolfenbüttel zeigen." Geplant sei zudem ein Vortrag über Ausgrabung und Stand der Forschung (siehe Fakten).

 

Unterdessen teilten Förderverein und Lenkungsgruppe mit, dass der Archäologie- und Landschaftspark Kaiserpfalz Werla am 14.September von Ministerpräsident David McAllister eröffnet wird. Gruppen-Sprecher Andreas Memmert: "Vor zehn Jahren war die Werla vergessen." Eine Reihe kreativer und engagierter Menschen habe aus dem Projekt gegen einige Widerstände eine "einzigartige Erfolgsgeschichte gemacht".

 

Laut Fördervereins-Vorsitzendem Frank Oesterhelweg sind in den Park bislang 1,5Millionen Euro investiert worden. Die Werla sei keineswegs fertig, sondern entwickle sich stetig weiter. Auf drei angrenzenden Flächen soll nun damit begonnen werden, das Gelände der inneren Vorburg zu erschließen. Ein Antrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft sei gestellt.

 

Große Erfolge verbucht der Park in Sachen Flora und Fauna: Innerhalb von zwei Jahren habe die Natur die Ackerflächen zurückerobert, berichtete der Projektverantwortliche Karl-Friedrich Weber. Die Artenvielfalt sei beachtlich: "Wir haben 200Pflanzen- und 75Vogelarten registriert." Was Weber freut: "Bereits heute kommen weit über 100Besucher pro Tag, um das Gelände zu erkunden." Die Werla werde durch den Wandel der Jahreszeiten nie langweilig. "Und wir kommen ohne Folgekosten aus", betonten Weber, Memmert und Oesterhelweg.

 

Wie Uwe Rullmann, Finanzexperte der Lenkungsgruppe, mitteilte, kann der Wehrgang des alten Westtores erst nach der Eröffnung fertiggestellt werden. Auch dessen Fenster fehlten noch. Architekt Christoph Lowes sagte, dass das Projekt trotz mancher Schwierigkeiten gut gelungen sei. Dr.Thomas Dahms vom Ostfalen-Netzwerk ergänzte: "Die Werla ermöglicht eine hohe Identifikation."

 

Vortrag:Bezirksarchäologe Dr.Michael Geschwinde referiert am Freitag, 7.September, über "Die Frau von Werlaburgdorf. Archäologische Erkundungen am Rand der Zeit". Die Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus Werlaburgdorf beginnt um 19Uhr.

 

Eröffnung:Der Archäologie- und Landschaftspark Kaiserpfalz Werla wird am Freitag, 14.September, um 12Uhr von Ministerpräsident David McAllister vor geladenen Gästen eröffnet.

 

 

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