Funde weisen auf Kulthandlung hin

 

Braunschweiger Zeitung, Wolfenbuettel: 3. August 2012, Wolfenbüttel Lokales, Seite L47

 

Funde weisen auf Kulthandlung hin

 

Auf dem Gelände der Isiburg bei Isingerode sind freiwillige Helfer aktiv - Kein Tag der offenen Grabung geplant

 

Von Bernd-Uwe Meyer

 

ISINGERODE. Oberhalb von Isingerode wird seit 2006 im Bereich einer jungbronzezeitlichen Wehranlage geforscht (wir berichteten).

Freiwillige Helfer der Freunde der Archäologie im Braunschweiger Land (Fabl) mit der Vorsitzenden Bärbel-Regine Steinmetz und dem Wolfenbütteler Archäologen und Museumsleiter Wolf-Dieter Steinmetz graben aktuell an den Wochenenden unregelmäßig, haben aber immer wieder Erfolg.

 

Hauptsächlich wird eine Kulturschicht aus dem 10. Jahrhundert vor Christi untersucht. Während Lothar Jungebluth in der Nähe eines Kultsteines gründlich an einem Erdprofil arbeitete und vorsichtig feine Knochen oder Scherben hervorholte, schabte der ehrenamtliche Helfer Joachim Scheffler aus Ohrum einige Meter weiter auf der Grabungsfläche Funde frei.

 

Bruchstücke stammen

 

Haushaltsgefäßen

 

Spannend wurde es bald an einer Stelle, die der Museums-Restaurator Sven Spantikow mit einigen Helfern untersuchte. Geborgen wurden zahlreiche Bruchstücke von unterschiedlichen Haushaltsgefäßen, die später im Museum in Wolfenbüttel näher unter die Lupe genommen werden.

 

Im Erdboden befinden sich an gleicher Stelle Rinder-Langknochen. "Davor liegt ein Unterkiefer vom Schwein", informierte Bärbel-Regine Steinmetz. Der Überraschungsfund wurde von der Anthropologin Dr. Silke Greven-Peters untersucht. "Diese Knochen wurden von den Menschen als Kulthandlung für die Götter niedergelegt", erklärte Wolf-Dieter Steinmetz. "Speiseabfälle wären viel kleiner gewesen", informierte die Anthropologin die freiwilligen Helfer.

 

Bei dieser Knochenanordnung handelt es sich somit um eine bewusste kultische Niederlegung, in Fachkreisen "intentionelle Deponierung" genannt. Interessant ist dabei, dass sich dieser Fundplatz mit Knochen und Scherben nur drei Meter von einem Kultstein entfernt im gleichen Fundhorizont, also auf der gleichen Schicht, befindet.

 

"Wir werden diese bedeutungsvollen kultischen Funde mit einer Gipsschicht als Block bergen und ins Museum nach Wolfenbüttel bringen", erläuterte der Archäologe Steinmetz. Dort werden die Knochen konserviert. Vor der Bergung wird um die den Göttern geopferten Knochen zunächst eine Kiste gebaut.

 

Die erste Siedlungsphase, die Isiburg, war vom 12. bis 10. Jahrhundert vor Christi Geburt. Nach zwei Brandzerstörungen errichteten die Menschen dort um 900 vor Christi erneut eine Wehranlage.

 

Auf die neue Wehranlage

 

folgten weitere Brände

 

Bald darauf folgten wieder zwei Brände. Schließlich bauten unsere Vorfahren in der frühen Eisenzeit (7./frühes 6. Jahrhundert) eine vollkommene neue Burg.

 

Magnetmessungen weisen darauf hin, dass auch der westlich angrenzende Waldbereich vor langer Zeit gut besiedelt worden ist. Das Wäldchen wurde erst um 1970 angepflanzt.

 

Untersuchungen auf dieser Fläche würden die bisherigen Forschungsergebnisse abrunden und vertiefen. Doch jetzt soll an wenigen Wochenenden des gemeinsamen Engagements der bisherige Grabungsschnitt beendet werden.

 

Dazu gehört auch die Blockbergung des aktuellen Fundes. Ein Tag der offenen Grabung ist nicht mehr vorgesehen.

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0