Aus dem Dornröschenschlaf erweckt

Braunschweiger Zeitung, Wolfenbuettel: 2. Mai 2012, Wolfenbüttel Lokales, Seite L37

 

Das beliebte Ausflugslokal "Willecke's Lust" bei Hornburg steht kurz vor der Wiedereröffnung

 

Von Jörg Kleinert

 

HORNBURG. Die Gaststätte "Willecke's Lust" bei Hornburg, bis zur Wende ein beliebtes Ausflugslokal nur wenige Gehminuten von der ehemaligen "Zonengrenze" entfernt, steht kurz vor der Wiedereröffnung. Frank Willecke, gelernter Koch, übernimmt das Gasthaus.

 

Der 22-Jährige ist der Enkel des 88-jährigen früheren Besitzer und Gastwirt Hans Willecke, der im Juni 2001 den Zapfhahn scheinbar für immer hochdrehte. Ein Nachfolger hatte sich seinerzeit nicht gefunden.

Das Gasthaus liegt inmitten von Obstgärten unterhalb eines Kammwegs des Kleinen Fallsteins hinter Hornburg. Weit geht der Blick von oben nach rechts zum Harz und nach links in das Große Bruch, das die Wasserscheide zwischen Elbe und Weser bildet.

 

"Ich stehe in den Startlöchern und warte nur noch auf ein paar behördliche Genehmigungen", sagt Frank Willecke. Möglichst Mitte Juni möchte er eröffnen. Der Gedanke, das 1908 von seinem Ur-Ur-Großvater zunächst als Wohnhaus erbaute Ausflugslokal aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, sei im vergangenen Jahr in Gesprächen mit seinem Vater Stefan und seinem Bruder Marc gereift, erzählt Frank Willecke. "Ich habe seit Jahren davon geträumt, das Lokal weiterzuführen."

 

Nach dem Entschluss zum Neustart fackelte das Trio nicht lang. Die Einrichtung des Gebäudes mit zwei Sälen, Clubraum, Küche, sanitären Anlagen und Theke musste teils entsorgt und erneuert werden, Fußböden wurden neu verlegt, Wände frisch gestrichen. "Die sechs Kühlschränke zum Beispiel waren museumsreif", erzählt Stefan Willecke. 36 Kubikmeter Stahlschrott sammelten sich an, 35 Fuhren zur Mülldeponie wurden fällig.

 

Die alte Bestuhlung des Lokals fanden die Willeckes unter dem Dachboden, darüber hinaus entdeckten sie Jahrzehnte alte Schätze wie Kaffeemühlen, Fotos oder Blechwerbetafeln. "All diese Raritäten wollen wir im Lokal ausstellen", sagt Frank Willecke.

 

Weil alte Pfade dicht zugewachsen und kaum durchgängig waren, schnitten die Willeckes das Außengelände hinter dem Gasthaus stellenweise wieder frei. Hier bewirtet der neue Chef seine Gäste künftig unterhalb des alten Obstbaumbestandes.

 

Öffnen will der Junggastronom das Ausflugslokal, das im Innern rund 180 Gästen Platz bietet, vorerst nur nach Voranmeldung und ohne feste Betriebstage. Catering-Service, Hochzeitsfeiern, Sonntagsbrunch, Kochkurse, Schulungen, mal ein spanischer Abend - all dies wolle er anbieten, so der 22-Jährige, dessen Lebensgefährtin, eine gelernte Konditorin, womöglich ebenfalls in den Betrieb einsteigen wird.

 

In den nächsten Wochen erledigen die Willeckes die letzten Feinarbeiten. Türrahmen erhalten frische Anstriche, Fluchttüren müssen verlegt und verbreitert, Rauchmelder angebracht werden. Wenn alles picobello ist, hofft Frank Willecke auf das behördliche Okay. "Je früher, desto besser. Ich will endlich loslegen."

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0